Die lieben Ja-Sager

Können Sie gut Nein sagen? Ohne danach ein schlechtes Gewissen zu haben?

Sie antworten jetzt vielleicht selbstsicher mit Ja. Aber tun Sie das auch noch, nachdem Sie die Checkliste geprüft haben? Testen Sie es doch gleich.

  • Wenn andere Sie immer wieder um einen Gefallen bitten, erfüllen Sie ihn, auch wenn Sie es leid sind, immer wieder einzuspringen?
  • Übernehmen Sie immer mal wieder unangenehme Arbeiten von anderen?
  • Sagen Sie trotzdem zu, auch wenn Sie keine Lust haben, an dieser oder jener Verpflichtung teilzunehmen?
  • Sagen Sie oft «Ja», um Konflikten auszuweichen oder sie gar nicht erst aufkommen zu lassen?
  • Können Sie schwer unterscheiden zwischen dem, was Sie sollten und dem, was Sie wollen?
  • Setzen andere für Sie Grenzen statt dass Sie es tun?
  • Stimmen Sie Kompromissen zu, nur um mit Ihrer Umgebung in Harmonie zu leben?

Wenn Sie bei diesen Fragen mit Ja geantwortet haben, können Sie schlecht Nein sagen. Der Fragenkatalog könnte noch eine Weile so weitergehen und auch dann könnten Sie über die eine oder andere Frage mit einem Ja stolpern. Der Alltag beweist es immer wieder: Viele Menschen sind zwar der Ansicht, dass sie Nein sagen können, tun es aber viel weniger, als ihnen lieb ist. Klar, es ist sinnvoll, wenn man bereitwillig anderen hilft. Aber irgendwann kommt fast jeder an den Punkt, wo es nötig wäre, eine Bitte abzulehnen. Vor allem dann, wenn man sich selbst nicht mehr gut dabei fühlt. Häuft sich dieses Gefühl, ist Überbelastung, Frust und Zerrissenheit nicht mehr weit.

Ja zu sich und Nein zu anderen
Tun Sie sich selbst Gutes und lernen Sie, auch mal Nein zu sagen. Ohne schlechtes Gewissen. Wie Sie das schaffen? Unter anderem, indem Sie diese Tipps beherzigen:

  • Wenn Sie es wagen, Nein zu sagen, geht die Welt nicht unter. Im Gegenteil, dadurch werden Sie ernst genommen und für Ihre Klarheit geschätzt.
  • Entgegen aller Befürchtungen geht eine Beziehung zu anderen Menschen durch ein Nein nicht verloren, sie vertieft sich sogar.
  • Machen Sie der anderen Person klar, dass sich Ihr Nein lediglich auf die Sache bezieht und nichts mit der Person zu tun hat. Bitten Sie um Verständnis für Ihre Lage. Dann hat man auch Verständnis für Sie.
  • Nehmen Sie Ihre eigenen Bedürfnisse ernst. Denn Nein sagen, ist Ihr gutes Recht.
  • Hören Sie auf Ihre innere Stimme. Stehen Sie zu sich. Denn Nein sagen bedeutet, auch sich selbst gerecht zu werden. Das stärkt Ihr Selbstbild.
  • Verzichten Sie auf Ausreden oder Notlügen, sie verleihen genauso ein schlechtes Gefühl.
  • Lehnen Sie deutlich und bestimmt ab, wenn Sie etwas nicht machen möchten, aber zeigen Sie Verständnis für das Anliegen anderer Personen.

«Wäre nicht das Nein, so wäre das Ja ohne Kraft.» Friedrich von Schelling, deutscher Philosoph

Die Schwierigkeit, Nein zu sagen, hat auch damit zu tun, dass es zwei Seiten betrifft: Hat man sich zu einem Nein durchgerungen, gilt es auch noch, die Reaktion der Gegenseite auszuhalten. Gerade, wenn man bisher nur wenige Dinge abgelehnt hat, ist die Angst gross, bei Freunden oder Arbeitskollegen auf Enttäuschung oder Unverständnis zu stossen. Man will ja geliebt werden, also sagt man Ja. Ja zu allem und jedem. Doch genau von solchen Reaktionen darf man sich nicht dominieren lassen. Wichtig ist, sich treu zu bleiben und das bewusst zu kommunizieren. Es braucht ein gesundes Abschätzen zwischen gelegentlicher Hilfsbereitschaft und dem ständigen Zurückstellen der eigenen Interessen. Dann verliert man auch die Freundschaft oder Anerkennung nicht. Dazu kommt: Mit jedem «Nein» wird es in Zukunft leichter. Sie haben die Chance, Ihr Selbstbild zu erweitern und an Freiheiten für sich zu gewinnen.

Versuchen Sie es, öfters Nein zu sagen. Wenn Sie es nicht schaffen, dann versichere ich Ihnen, ich sage Ja. Ja, ich helfe Ihnen gerne dabei, es zu lernen.


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